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 Keine Angst vor Thurn und Taxis                              zurück

Bodo A. v. Kutzleben, Frankfurt am Main

Im Jahre 1990 war das Jubiläum "500 Jahre Thurn und Taxis Post" und im Jahre 2002 feierten wir das Jubiläum "150 Jahre Thurn und Taxis Marken / 1852 - 2002". Tauchen wir deshalb einmal gemeinsam ab in die Vergangenheit und machen einen Spaziergang durch 5 Jahrhunderte Thurn und Taxis Post-Geschichte und lassen uns "Verzaubern" von einem der schönsten altdeutschen Sammelgebiete.

Der Beginn der Taxis Post - 1490

Die Familie der Tassis, (der Name wurde ab 1650 in Thurn und Taxis erweitert) entstammt aus Norditalien, aus Cornello bei Bergamo. Erste Spuren von den Anfängen der Thurn und Taxisschen Post findet man unter dem Kaiser Friedrich III. um 1488 und Janetto von Tassis. Als Gründungsjahr von THURN und TAXIS gilt aber das Jahr 1490.

 

Franz von Taxis, 1459 - 1517

Es gibt 1490 verschiedene Erwähnungen von Postverbindungen, z. B. zwischen Mechelen und Innsbruck. So die Bemerkungen aus der "Memminger Stadtchronik" von 1490, die besagen: "In diesem jahr fiengen die posten an bestellet zu werden / auß befehl Maximilians I. deß römischen konigs / von Oesterich biß in die Niderland / in Franckreich / und biß nacher Rom. /....../ Also kam oft in 5 tagen ein brieff von hier (Memmingen d. Red.) biß nacher Rom".

Franz von Taxis wird 1491 erstmals zusammen mit seinem jüngeren Bruder Janetto in den "Raitbücher" der Tiroler Kammer in Innsbruck erwähnt. Der Beginn der organisierten "Post" ist aber mit dem Namen Franz von Taxis untrennbar verbunden. Franz von Taxis bekleidet seit Montag, dem 1. März 1501 das Amt des spanischen Hauptpostmeisters (capitaine et maistre de nos postes). Er legt ab 1504 Postverbindungen zwischen Spanien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden an. 1516 wird die erste "stabile" Reitpost zwischen Brüssel und Wien durch Franz von Taxis angelegt. Der Begründer des internationalen Postwesens, Franz von Taxis, stirbt 1517 und wird in Brüssel beigesetzt. Nachfolger als Generalpostmeister wird sein Neffe Johann Baptiste von Taxis. Das Jahr 1490 ist somit der Beginn einer über fünfhundertjährigen Geschichte der Taxispost bis heute.

1582 - Eine neue Zeitrechnung beginnt

Im Jahre 1582 führt Papst Gregorius XIII, Papst von Mai 1572 bis April 1585, den nach ihm benannten "Gregorianischen" Kalender ein. 10 Tage im Oktober werden gestrichen und das neue Jahr beginnt einheitlich in Deutschland jeweils am 1. Januar. Am Freitag, dem 16. Juni 1596 wird Leonard von Taxis zum "General-Postmeister des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" und zum Reichsfreiherrn ernannt. Der Kaiser verkündet damit das "Reichspost-Generalat", das heißt, die Post wird nur noch durch Thurn und Taxis bestellt. Die private "Metzgerpost" wurde untersagt.

Die Vormarkenzeit - die "Vorphilatelie"

Im Laufe der Zeit steigerte sich der Postverkehr immer mehr. Am Anfang konnten sich nur Adelige, die Kirche und reiche Geschäftsleute
(Patrizier) den Luxus der Post leisten. Da die Postverbindungen und Wegstrecken in Deutschland sehr kompliziert waren, wurden die Briefe als "Porto-Briefe" verschickt, das heißt, der Empfänger zahlte das angefallene Porto.

 

Auslandsbrief aus der Vormarkenzeit von Frankfurt am Main nach Eben Ezer / USA aufgegeben am Mittwoch, dem 4. August 1847

Die ersten Briefe in der Vormarkenzeit, auch "Vorphilatelie" genannt, waren so genannte "Schnörkelbriefe" mit handgeschriebenen Aufgabevermerken (locus unde). Da es noch keine Stempel gab, wurde der Absenderort handschriftlich darauf geschrieben. Dies war der Vorläufer des Ortstempels. Der erste feste Ortstempel kommt aus England und ist vom Sonntag, dem 15. Mai 1661. Der erste deutsche Thurn und Taxis-Stempel stammt aus dem Jahre 1713 und ist von Trier. Die ersten Stempel waren so genannte "adelige Stempel", die mit dem "de/d" oder "von/v" vor dem Ortsnamen beginnen.

 

Frankfurter "Vormarken-Zeit"-Stempel (auszug)

Verschiedenste Stempelformen mit unterschiedlichen Stempelfarben z.B.: "Rayonstempel, Ein- und Mehrzeilenstempel und Ortsstempel in verschiedensten Formen" bestimmen die so genannte "Vorphilatelie"-Zeit im 17. bis 19. Jahrhundert.

Es ist soweit mit der Markenzeit

Trotz kaiserlichen Verbotes richten in der Mitte des 18. Jahrhunderts viele Staaten ihre eigenen Posten ein und lösten sich von Thurn und Taxis.
Nach dem Beitritt von Thurn und Taxis zum Postverein 1850/51 musste Thurn und Taxis auch Briefmarken herausgeben. Nachdem 1840 in Großbritannien die erste Marke heraus kam, wurde in Bayern die erste Marke 1849 herausgegeben, anschließend folgten Baden, Hannover, Preußen, Sachsen, Schleswig Holstein und Württemberg, bis Thurn und Taxis am 1. Januar 1852 als 8tes "Land" ebenfalls Marken herausgab.

 


 

Herbst 1851:
Nicht angenommene Bleistift-Entwurfszeichnung
Entwurf Nr. 8 von der Fa. Naumann aus Frankfurt am Main

Januar 1859:
Abgelehnter Entwurf mit Motiv der Francofortia von Fa. Henning, Greiz

19 Staaten und Städte gehörten am Donnerstag, dem 1. Januar 1852, als die ersten acht Thurn und Taxis-Briefmarken erschienen, postalisch zu Thurn und Taxis.

Es waren dies im nördlichen Bezirk (Groschenwährung):

  • Kurfürstentum Hessen-Kassel
  • Grossherzogentum Sachsen-Weimar-Eisenach
  • Landesteil Gotha des Herzogtums Sachsen-Coburg-Gotha
  • Fürstentum Schwarzburg-Sondershausen (Oberherrschaft)
  • Fürstentum Reuss ältere Linie Gera und jüngere Linie Greiz
  • Freie Hansestädte Hamburg - Bremen - Lübeck
  • Fürstentum Lippe-Detmold
  • Fürstentum Lippe-Schaumburg und
  • Herzögliches Sachsen-Meiningsche Amt Camburg

und im südlichen Bezirk (Kreuzerwährung):

  • Grossherzogentum Hessen-Darmstadt
  • Herzogtum Nassau
  • Landgrafschaft Hessen-Homburg
  • Herzogtum Sachsen-Meiningen
  • Freie Stadt Frankfurt am Main
  • Landesteil Coburg des Herzogentums Sachsen-Coburg-Gotha
  • Fürstentum Schwarzburg-Rudolstadt (Oberherrschaft) und
  • Fürstentum Hohenzollern-Hechingen / Hohenzollern-Sigmaringen

Die ersten Markenentwürfe

Die Druckerei Naumann aus Frankfurt a. M., bekam Ende 1851 den Auftrag, die Marken zu Entwerfen und später zu Drucken. Aber erst mussten Entwürfe her. Deshalb wurde 8 Entwürfe als Bleichstiftzeichnung angefertigt. Aber diese ersten acht Entwürfe gefielen nicht. Ein nachfolgender zweiter Entwurf kommt der später gedruckten Silbergroschenmarke schon sehr nahe und danach werden die Marken gedruckt. In Jahre 1859 wurden nochmals von der Fa. Henning, Greiz, Markenentwürfe mit "Frankofurtia"-Motiven hergestellt, aber sie wurden alle als "technisch nicht geeignet" abgelehnt.

Donnerstag, der 1. Januar 1852

Die Staaten und Städte, die am 1. Januar 1852 zu Thurn und Taxis gehörten, gliederten sich in zwei Bezirke mit unterschiedlichen Währungen. In dem "Nördlichen Bezirk", (die Trennung in Nord und Süd muss man sich etwa in nördlich und südlich des Main vorstellen) war die Groschenwährung (1 Thaler = 30 Silbergroschen) und in dem "Südlichen Bezirk" war die Kreuzerwährung (1 Gulden = 60 Kreuzer). Untereinander waren 1 Silbergroschen 3 Kreuzer wert. Die Markenzeit erstreckte sich vom Donnerstag, dem 1. Jan. 1852 (Ersttag) bis zum Sonntag, dem 30. Juni 1867 (Letzttag). Die Marken sind in einem Bogen mit 150 Marken im Buchdruck gedruckt. Es waren 10 Marken in 15 Reihen.

Nördlicher Bezirk:
1 Thaler = 30 Silbergroschen, 1 Silbergroschen = 12 Pfg.

Südlicher Bezirk:
1 Gulden = 60 Kreuzer, 1 Kreuzer = 4 Pfg.

Die einzelnen Markenausgaben

Die 5 Ausgaben (Emissionen) wurden in 14 Auflagen hergestellt. Die 1. Ausgabe mit zwei Ergänzungswerten, Mi.-Nr. 1. bis 12., wurde auf farbigem Papier mit schwarzem Druck, die späteren, Mi.-Nr. 13 bis 54, auf weißen Papier mit farbigen Druck gedruckt. Die Marken kamen ab 1852 nicht Ausgabeweise komplett heraus, sondern wurden, teilweise auch nach der Verwendungsart, zu unterschiedlichen Ausgabedaten herausgegeben.

Alle Marken haben, mit Ausnahme der letzten Ausgabe, Markenabstände zwischen 1/10 mm bis 1 mm. Die Markenbilder (Klischees) sind bei allen Marken gleich. Die Wertziffer ist bei den Silbergroschenmarken in einem quadratischen Feld, die Kreuzermarken in einem runden Feld. Um das Nachmachen der Marken zu erschweren, wurden bei allen Wertstufen ein besonderes Merkzeichen (Geheimzeichen) in das Markenbild mit eingearbeitet. Insgesamt wurden von Thurn und Taxis 54 Marken mit 14 verschiedenen Wertstufen herausgegeben.

 


 

1, 3, 6 + 9 Kreuzer, die ersten vier Marken die in Rödelheim ab 1. Januar 1852 gültig waren.

1 Kreuzer, Katalog Nr. 7


 

3 Kreuzer, Katalog Nr. 8


 

6 Kreuzer, Katalog Nr. 9


 

9 Kreuzer, Katalog Nr. 10

Die Silbergroschen Marke war nur in Bockenheim gültig

½ Silbergroschen, Katalog Nr. 3
 

Die Wertstufen setzten sich wie folgt zusammen: Silbergroschen-Marken zu 1/4, 1/3, 1/2, 1, 2, 3, 5 und 10 Silbergroschen; Kreuzer-Marken zu 1, 3, 6, 9, 15 und 30 Kreuzer.

Die Marken der ersten drei Ausgaben, Mi.-Nr. 1 bis 34 sind geschnitten (ungezähnt), die vierte Ausgabe, Mi.-Nr. 35 bis 44, ist durchstochen, die fünfte Ausgabe, Mi.-Nr. 45 bis 54, sind farbig durchstochen. Neben den Marken wurden auch ab 1861 34 Ganzsachen in drei unterschiedlichen Kuvertgrößen herausgegeben.

  • l. Ausgabe vom Januar 1852 bis Juli 1858 / Geschnittene (Ungezähnte) Marken
  • l.1 Ergänzung zur 1. Ausgabe vom Dezember 1853 / Geschnittene (Ungezähnte) Marken
  • 2. Ausgabe vom September 1859 bis Januar 1861 / Geschnittene (Ungezähnte) Marken
  • 3. Ausgabe vom Januar 1862 bis Februar 1864 / Geschnittene (Ungezähnte) Marken
  • 4. Ausgabe vom Juli 1865 / Farblos durchstochene Marken (15 1\2 - 16)
  • 5. Ausgabe vom August 1866 / Farbig durchstochene Marken (16 - 16 1\2)

Brief an Theodor Brentano in Frankfurt am Main vom Mittwoch, dem 9. März 1859 aus Darmstadt

Die Stempel - das Salz in der Suppe

In der Markenzeit gab es verschiedenste Stempel einschl. der Versuchsstempel. Am Anfang war der Ortstempel. Damit wurden die Marken entwertet. Aber man wollte einen besonderen Stempel zur Entwertung, deshalb wurden Versuche mit anderen Formen von Stempeln gemacht, bis man zum Ringnummernstempel kam. Dieser Ringnummernstempel war ab Ende Januar 1853 der häufigste benutzte Stempel, meistens in schwarzer Stempelfarbe. Es gab auch Stempel in blauer und roter Farbe. Grüne Stempel gibt es von Thurn und Taxis nicht, aber darüber gibt es unterschiedliche Meinungen und Zweifel. Es gibt daneben noch Ein- und Zweikreisortstempel, Ein- und Mehrzeilenstempel, Bahnpost- und Landpoststempel, Postablagen- und Distributionsstempel, usw...


 


 

Die Stempel als Zierde von Thurn und Taxis


Die Stempel sind neben den Marken das A und O der Thurn und Taxis Philatelie, ebenso seine Briefe mit den verschiedensten Versand- und Frankaturformen sowie frankierte Post-Formulare und Telegramme.

Das Ende der Thurn und Taxis Post

Auf Druck von Preußen musste die Posthoheit 1867 von Thurn und Taxis für die günstige Summe von 3 Millionen Thaler an Preußen verkauft werden. Thurn und Taxis hatte ursprünglich 10 Millionen Thaler von Preußen verlangt, aber nicht bekommen. Am Sonntag, dem 30. Juni 1867 endete die Thurn und Taxissche Posthoheit und am Montag, dem 1. Juli 1867 wurde das Thurn und Taxissche Postwappen, ein silberner Dachs mit rotem Turm, mit dem preußischem Wappen vertauscht.

Thurn und Taxis Stempel nachverwendet

Nach der Übernahme der Posthoheit am 1. Juli 1867 durch die preußische Post wurden in der Übergangsphase weiterhin Thurn und Taxis-Stempel in den vielfältigsten Stempelformen weiterverwendet (nachverwendet). Diese Stempel finden sich auf den Marken der Postgebiete von PREUSSEN vom Montag, dem 1. Juli 1867 bis Dienstag, dem 31. Dezember 1867, des NORDDEUTSCHEN BUNDES (Postbezirkes) vom 1. Januar 1868 bis zum Sonntag, dem 31. Dezember 1871 und auf Marken des DEUTSCHEN REICHES ab dem Montag, dem 1. Januar 1872.

Keine Angst vor Thurn und Taxis

Natürlich haben viele Sammler Angst vor einem Altdeutschen Sammelgebiet. Dies ist aber vollkommen unbegründet. Ich habe 1965, damals war ich 15 Jahren alt, mit Thurn und Taxis angefangen. Alles wurde vertauscht und dann wurde wieder mit NULL Marken angefangen.
Es hat geklappt.

Warum sollte es nicht auch bei Ihnen klappen!!! Bei Thurn und Taxis sind die ersten drei Ausgaben gestempelt günstig, die Ausgaben Nr. 4. u. 5. sind ungebraucht günstig. So kann man anfangen. Wichtig aber ist immer, "von Anfang an", auf Qualität zu achten.

Die Arbeitsgemeinschaft Thurn und Taxis stellt sich vor

Unsere Arbeitsgemeinschaft versteht sich als Vereinigung von Menschen, die an der geschichtlichen und philatelistischen Entwicklung des Thurn und Taxisschen Postwesens interessiert sind. Wir treiben gemeinsam Forschung. Wir unterhalten ein großes Stempelarchiv. Mehrmals im Jahr geben wir eine Mitgliederzeitung (Mitteilungen) mit neuesten Forschungsergebnissen heraus und treffen uns zweimal im Jahr zu Jahrestreffen.

So weit, so gut. Wir nehmen das Wort "Arbeitsgemeinschaft" in soweit ernst, indem wir zusammen "ARBEITEN" und uns als große "GEMEINSCHAFT" von Thurn und Taxis begeisterten Sammlern und Sammlerinnen fühlen.

Und diese Begeisterung wollen wir an Sie und andere weitergeben. Wer noch mehr über Thurn und Taxis und über die Arbeitsgemeinschaft wissen will, kann sich melden bei:

Herrn
Werner Schäfer
Vorsitzender Arge Thurn und Taxis
Postfach 149, 64 570 Büttelborn

oder bei:

Herrn
Bodo A. v. Kutzleben
Franz-Werfel-Str. 26, 60431 Frankfurt a.M.
Tel.: 069 - 53 13 16