| Eine Idee und ihre Entwicklung, im
"Zeitraffer" dargestellt Reiner Wyszomirski,
Langen / Hessen
Fast 90 Jahre hat es gedauert, bis nach Geburt der
1. Briefmarke die Idee zu einem "Tag der Briefmarke" entstand. Und
kein geringerer als Hans v. Rudolphi, Pressechef der großen
Briefmarken-Weltausstellung IPOSTA 1930 in Berlin, propagierte sie
als erster beim 40. Deutschen Philatelistentag im August 1934 in
Danzig.
Doch umgesetzt wurde Rudolphis Idee als erste von
den Österreichern. Sie veranstalteten am Sonntag, 1. Dezember 1935,
in Wien im Museum für Kunst und Industrie eine Sonderausstellung zum
"Tag der Briefmarke". Es war die Weltpremiere!
Der Start in Deutschland
Nur fünf Wochen später, am 7. Januar 1936, folgten
deutsche Sammler diesem Beispiel und der eigenen Idee; Sie feierten
in den Berliner Zoo-Festsälen und in einigen anderen Städten des
Reiches erstmals den "Tag der Briefmarke".
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Die
Deutsche Reichspost richtete in Berlin ein Sonderpostamt ein (Berlin
W 62). Es gab eine Festpostkarte vom Reichsverband, von der
Reichspost einen Sonderstempel, Sonder-R-Zettel und einen
Francotyp-Stempel, alle mit Hinweis auf den ersten Tag der
Briefmarke und auf die Gründung des neuen Reichsverbandes der
Philatelisten. |
Auch in den Folgejahren feierte man in Deutschland jeweils am ersten
Sonntag nach dem 7.Januar (Geburtstag des früheren
Generalpostmeisters und Mitbegründers des Weltpostvereins, Heinrich
v. Stephan ) den "Tag der Briefmarke". In anderen Ländern, die nach
und nach den "Tag der Briefmarke" einführten, fand ein Sonntag im
Oktober die breitere Zustimmung.
Die ldeologisierung im 3. Reich
Von Jahr zu Jahr verstärkt
stellten die Nationalsozialisten den "Tag
der Briefmarke" in den Dienst der Partei und in die Ideologie ihres
NS-Staates. So wurde der Druck auf die Sammler immer größer,
WHW-Marken als Frankatur für die gewünschten Sonderstempel zum "Tag
der Briefmarke" (in der Regel gab es diese an 30-35 verschiedenen
Orten im Reichsgebiet) zu verwenden. Damit sollte das
Winterhilfswerk des Führers unterstützt und gefördert werden.
So war die Ursprungsidee Rudolphis rasch begraben.
Obwohl es im Jahr 1941 - in diesem Jahr wurde der "Reichsbund"
in die Nazi-Organisation "Kraft durch Freude" vollends eingegliedert
- die erste Sondermarke der Deutschen Reichspost zum "Tag der
Briefmarke" gab. Dazu Sonderstempel in Hülle und Fülle: mit zehn
verschiedenen militärischen Motiven an über 150 Orten im
Reichsgebiet.
Weitere Sondermarken zum "Tag der Briefmarke" wurden in den Jahren
1942-1944 herausgegeben. Die Motive waren volkstümlich und
nostalgisch: Posthorn, Postillion oder Postkutsche. Über die
politischen Ziele des Ereignisses unter der Nazi-Herrschaft sollten
sie wohl bewusst hinwegtäuschen. Sie sollten gekauft werden und
Spendenbeiträge für das KdF-Gemeinschaftswerk einbringen.
Der neue Anfang
Mai 1945: Deutschland lag weitgehend in Schutt und Asche, jegliche
eigene staatliche Ordnung war zerschlagen und verboten. Briefmarken
besaßen zu jener elenden Zeit einen erstaunlich hohen Stellenwert:
weil andere Werte zerstört waren oder fehlten, oder weil die
Briefmarke noch ein kleines Stück nationale Identität vermittelte,
mehr als die wertlose Reichsmark es konnte?
Welche Gründe es auch immer gewesen sein mögen, die Philatelie
"boomte".
So rief der Bund Deutscher Philatelisten /
Nordrheinprovinz-Westfalen, Vorreiter des im Oktober 1946 in
Hannover gegründeten Bund Deutscher Philatelisten, Britische Zone
seine Mitgliedsvereine auf, im Oktober 1947
Briefmarkenausstellungen, zum "Tag der Briefmarke" zu organisieren.
Folgerichtig beschloss der Bund
deutscher Philatelisten, Britische
Zone auf seiner Gründungstagung in Hannover am 26. Oktober 1946
unter großem Beifall einstimmig, alljährlich wieder einen "Tag der
Briefmarke" zu feiern. Der Termin wurde jeweils auf den 1. Sonntag
nach dem 26. Oktober - dem Gründungstag des BDPh festgelegt. Und
tatsächlich, am 26. Oktober 1947 beging man im geteilten Deutschland
erstmals wieder einen "Tag der Briefmarke". Die Hauptverwaltung der
Deutschen Post genehmigte zu diesem Anlaß einen einheitlichen
"Serien-Sonderstempel", der an vielen Orten in allen Besatzungszonen
zum Einsatz gelangte.
Die ersten Sondermarken
Sondermarken zum "Tag der
Briefmarke" blieben in den ersten Nachkriegsjahren zunächst rar. Den
Anfang machte am 10. Januar 1946 Cottbus mit der bekannten
Stadtpost-Sondermarke und auch einer ganzen Serie mit hohen
Zuschlägen.
Die Situation änderte sich schlagartig ab 1949 im Zusammenhang mit
der staatlichen Neuordnung auf deutschem Boden. Die Gründung der
Bundesrepublik Deutschland mit dem Sonderstatus Berlin, die Bildung
der DDR und die wirtschaftliche Ausgliederung des Saarlandes
(1947-1956) führten - vor allem in den 50er Jahren - zu einer wahren
Flut von Sondermarken zu den Tagen der Briefmarke.
Die Deutsche Bundespost verhielt sich mit einigen wenigen Ausgaben
zum "Tag der Briefmarke" bis zum Jahr 1975 sehr zurückhaltend.
Anders dagegen die DDR: Sie brachte alljährlich bis 1990 mindestens
eine Sondermarke zum "Tag der Briefmarke" oder zu einer
philatelistischen Großveranstaltung heraus, wobei ab 1971 der Anlass
in "Tag der Philatelisten" umbenannt wurde.
Die Wiedergeburt 1975
Ende der 60er / Anfang der 70er Jahre wurde es in der Bundesrepublik
immer ruhiger um den "Tag der Briefmarke". Die Zahl der
einschlägigen Sonderstempel wurde geringer und sank schließlich fast
auf den Nullpunkt!
Im Jahr 1975 jedoch - knapp 40 Jahre nach seiner Geburtsstunde in
Berlin - erlebte der "Tag der Briefmarke" seine Renaissance -
wiederum in Berlin. Eifrige Geburtshelfer waren "Spitzenmanager der
organisierten Philatelie", gerade frisch in
ihr Amt gewählt: Dr. Heinz Jaeger und Hans Paikert, Präsident und
Vizepräsident im BDPh.
Sie gaben am 21. September 1975 beim 76. Philatelistentag in der
Berliner Kongresshalle das Startzeichen für eine neue alljährliche,
bundesweit durchzuführende Aktion "Tag der Briefmarke".
Von da an feierten und feiern die Philatelisten in unserem Land Jahr
für Jahr regelmäßig am letzten Sonntag im Oktober ihren Festtag. Zu
diesem Anlass widmet die Deutsche Bundespost alljährlich ihren
Sammlerinnen und Sammlern eine eigene Sondermarke. Im Jahr 1979
erstmals wieder nach langer Zeit mit einem Zuschlag zugunsten der -
von Bundespost und BDPh gemeinsam errichteten - Stiftung zur
Förderung der Philatelie und Postgeschichte.
Das Jubiläum
Im Jahr 1986, dem 50. Jubiläumsjahr, erschien die Sondermarke "Tag
der Briefmarke" im Festtagskleid d.h. im neuen Großformat. Antonia
Graschberger, eine junge Grafikerin aus München, zeichnete für den
gelungenen Entwurf verantwort1ich.
Die vielfältigen Aktivitäten im Jubiläumsjahr 1986 haben
die
Ursprungsidee Rudolphis deutlich bestätigt: Nämlich die
Werbewirksamkeit eines "Tages der Briefmarke", gut gestaltet und
genutzt, in der breiten Öffentlichkeit.
Das erkannten schließlich die BDPh-Verbände und beschlossen,
gemeinschaftlich zu handeln und alljährlich in jedem Landesverband
einen "zentralen" Austragungsort für den "Tag der Briefmarke" an
einem Sonntag im Oktober zu bestimmen. Dieser Entschluss führte zum
Erfolg, zumal parallel dazu auch die BDPh Nachwuchsorganisation,
die Deutsche Philatelisten-Jugend (DPhJ) den "Tag der jungen
Briefmarkenfreunde" einführte, bzw. reaktivierte.
Gemeinschaftliches Motto
Als richtig hat sich auch die
Anregung erwiesen, die Aktivitäten
aller Mitgliedsverbände alljährlich unter ein gemeinsames Motto zu
stellen und eine gemeinschaftliche Sammelmappe mit den Sonderbelegen
aller Landesverbände zu entwickeln. Beispielhaft seien hier Themen
genannt: 40 Jahre Bundesrepublik Deutschland, Wiedervereinigung,
Umweltschutz, Soziale Dienste, 50 Jahre BDPh, 50 Jahre D-Mark, 50
Jahre Bundesrepublik, 100 Jahre Nobelpreis u. a. Wobei das jährliche
Motto eigentlich nie identisch sein konnte mit dem Thema bzw. Motiv
der Sondermarke zum "Tag der Briefmarke".
So wurden z.B. in den Jahren 1997 und 1999 die Sondermarken (mit
Zuschlag) zum "Tag der Briefmarke" - beide in Form eines Blockes -
der IBRA 99 gewidmet. Mit den nicht unbeträchtlichen Zuschlägen
beider IBRA-Blocks konnten
die hohen Kosten der überaus erfolgreichen
Briefmarken-Weltaus-stellung in Nürnberg weitestgehend finanziert
werden. Was schließlich im Sinne und zum Wohle aller Sammler
erfolgte!
"Für die Briefmarke"
Das historische Jahr 2000 brachte in Deutschland einen tiefen
Einschnitt in die traditionsreiche Geschichte des "Tag der
Briefmarke". Mit der Argumentation, die Themen und Motive der
Sondermarken zum "Tag der Briefmarke" seien zu "betulich", kippte
der damalige Leiter der Fachabteilung "Postwertzeichen" im
Bundesfinanzministerium/BMF - seit der Postprivatisierung
Herausgeber der deutschen Briefmarken - das überaus beliebte Thema
"Tag der Briefmarke" aus dem Jahresprogramm. Trotz aller Beschwerden
und Proteste aus den Reihen der organisierten Sammlerschaft im Bund
Deutscher Philatelisten. Standen doch gerade die Sondermarken zum
"Tag der Briefmarke" in hoher Publikumsgunst und hatten bei der
alljährlichen Umfrage der Post und einiger Fachzeitschriften stets
die vordersten Plätze, oft sogar den 1. Preis errungen! Stattdessen
erschien im Jahr 2000 eine nicht minder "betuliche" Sondermarke "Für
die Briefmarke".
Das zürnte erneut die Spitzenmanager im Bund Deutscher
Philatelisten! So ist es ihrer Initiative im Programmbeirat beim
Bundesfinanzminister zu verdanken, dass ab dem Jahr 2001 - zunächst
im 2jährigen Turnus - der Sondermarke "Für die Briefmarke" ein
attraktives Thema zugeordnet wurde. Im Jahr 2001 war es das philatelistische
"Highlight" einer Nationalen Briefmarken-Ausstellung "NAPOSTA" in
Wuppertal. 2003 das 75jährige Jubiläum des damals sensationellen Ost-West-Transatlantikfluges, verbunden jeweils mit einem Zuschlag
zugunsten der Stiftung zur Förderung der Philatelie und Postgeschichte.
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