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 Absenderfreistempel - Stiefkinder der Philatelie                 zurück
Dr. Michael Hampel, Frankfurt am Main

Postfreistempel gibt es seit dem 20.12.1920, anfänglich in schwarz, seit Änderung laut Weltpostverein ab 1.8.1921 dann in rot. Absenderfreistempel (AFS) werden seit 1923 in Deutschland eingesetzt. Dabei wurde bereits 1889 von dem Telegrafenbetriebsingenieur Josef Baumann ein Apparat "zur Abschaffung der Briefmarke" vorgestellt, der von der Postverwaltung aber nicht akzeptiert wurde.


 

Postfreistempel 1921
 

Absenderfreistempel 1929

Freistempler sind das, was Briefmarkensammler eigentlich so schätzen - reine Bedarfspost. Für Thematiker sind AFS oft die einzige Möglichkeit, um einen bestimmten Aspekt eines Themas philatelistisch zu dokumentieren.

Trotzdem sind die AFS bei Briefmarkensammlern meist nicht sonderlich begehrt. Als Konkurrent zur Briefmarke ist jeder Beleg mit AFS ein Brief ohne Briefmarke, ein fehlerhaftes Stück. AFS gelten als Allerweltsware, obwohl es auch hier Raritäten gibt. Vielleicht ist es die fehlende Kenntnis, die AFS zu Stiefkindern der Philatelie macht.

Absenderfreistempel setzen sich aus folgenden Elementen zusammen:

  • der Wertrahmen
  • der Orts- und Datumsstempel
  • die Maschinenkennzeichnung
  • der Absenderwerbeeinsatz

1. Wertrahmen

Der Wertrahmen enthält den Werteindruck und die zeittypische Umrandung und Beschriftung. Während die ersten AFS bogenförmige Wertrahmen besaßen wurde ab 1931 rechteckige Wertrahmen verwendet. Im Nationalsozialismus zierten Reichsadler oder Hakenkreuze den Wertrahmen.


 

Bis 1932:
Bogenförmiger Wertrahmen,
Beschriftung "Deutsches Reich"
 


 

Ab 24.1.1933 rechteckiger Wertrahmen
 


 

22.4.1939 Deutsches Reich mit Hakenkreuz
 

8.2.1939 Deutsche Reichspost mit Reichsadler

Nach Ende des 3. Reiches durften ab 26.6.1945 AFS wieder benutzt werden, wenn die nationalsozialistischen Hoheitszeichen entfernt waren. Man spricht in diesem Fall von aptierten Stempeln.

Aptierter Stempel vom 12.12.1945

Später verwendete man im Wertrahmen die Bezeichnung "Deutsche Post", ab 1950 "Deutsche Bundespost" und eine Abbildung des Posthorns in der Bundesrepublik. Für Berlin hieß es entsprechend wie bei Briefmarken "Deutsche Bundespost Berlin", in der DDR blieb die Bezeichnung "Deutsche Post" bestehen.


 

Bundesrepublik 1951: Deutsche Bundespost
 


 

Deutsche Bundespost Berlin 1988
 

DDR 1977 Deutsche Post

Ab 1995 wurde die Bezeichnung "Deutsche Post AG" eingeführt und 1999 wurde die "AG" aus dem Stempel herausgenommen. Der Wechsel des Werteindrucks von DM nach EURO vollzog sich bereits ab Juli 1999 und sollte bis 30.6.2002 abgeschlossen sein.


 

1998 Deutsche Post AG
 


 

4.1.2001 Deutsche Post AG, DM
 

21.6.2000 Deutsche Post, Euro

 

2. Orts - und Datumsstempel

1961 wurden die 4-stelligen Postleitzahlen eingeführt. 1993 wurden die 4-stelligen Postleitzahlen durch die 5-stelligen PLZ ersetzt, wobei allerdings eine Umrüstzeit bis 1. April 1998 gestattet wurde.


 

1965
4-stellige Postleitzahlen
 


 

26.11.93
4-Stellige Postleitzahl mit Doppelstempelung wegen Aufgabe der Post am Folgetag
 

18.6.1993
Frühverwendete 5-stellige Postleitzahl

 

3. Maschinenkennzeichnung

Bei den älteren AFS findet man oft eine Kennzeichnung durch Nummer.
Ab 1981 müssen neu zugelassene AFS mit einer eindeutigen Kennzeichnung versehen werden. Diese besteht aus dem Buchstaben für den Hersteller der Maschine und einer eindeutigen Maschinennummer. Aus diesem Code lässt sich der Typ und der Besitzer der Freistempelmaschine ableiten.

Buchstabencodierung


 

A Frama
 


 

B Francotyp
 


 

C Hasler
 

ohne Abb.
 

D Krag
 


 

E Pitney Bowes
 


 

F Postalia
 


 

G Rena
 


 

H Stielow-Neopost
 


 

K Telefrank
 

ohne Abb.

M Mail it

 

4. Absenderwerbeeinsatz

Besteht der Absenderwerbeeinsatz nur aus Zahlen und Buchstaben, ist er nur halb so teuer, wie wenn ein Graveur für eine grafische Abbildung bemüht werden muss. Hier findet sich das, was das Herz des Thematikers begehrt, in schier unendlicher Fülle.

 

5. Stempelfarbe

Die Stempelfarbe für AFS in der Bundesrepublik war jahrzehntelang "rot". In der DDR findet man hingegen bereits AFS mit blauer oder brauner Stempelfarbe.


 

AFS DDR 1954 in blau
 

AFS DDR 1960 in braun

Zur besseren Lesbarkeit erfolgte in Deutschland eine Änderung der Stempelfarbe. Die Frankiermaschinen sollten vom 1.9.2000 bis 31.5.2002 von "rot" auf "blau" umgerüstet werden.

Interessant ist es, wenn man den Farbwechsel durch AFS der gleichen Maschine von einem Tag auf den nächsten nachweisen kann. Beim Umstellungsvorgang kann es zu Mischfarben in "violett" oder gemischt "blau-roter" AFS kommen.

September 2001 Blau-Rote-Mischfarbe

 

6. Massenware oder Rarität

Nicht immer haben sich die Nutzer der AFS an die geplanten Fristen für die Umstellung ihrer Freistempelmaschine gehalten, so dass nachverwendete oder vorabverwendete Varianten Salz in der Suppe sind.

Durch die verschiedenen teils parallel verlaufenden Änderungen bei Wertstempel, Werteindruck, Farbumstellung sind verschiedene Kombinationen möglich, von denen einige recht selten anzutreffen sind:

Deutsche Bundespost DM rot häufig
Deutsche Post AG DM rot häufig
Deutsche Post AG Euro rot unbekannt aber möglich
Deutsche Post DM rot relativ selten
Deutsche Post Euro rot häufig
Deutsche Post DM blau selten
Deutsche Post EURO blau häufig

 


 

30.4.2001 Deutsche Post - DM - rot
 

8.6.2001 Deutsche Post - DM - blau

Wenn eine Firma Umschläge mit dem AFS vom Datum "x" versieht, aber erst am nächsten Tag oder noch später die Sendung bei der Post aufgibt, so wird die Post automatisch mit einer zusätzlichen Abstempelung mit schwarzem Datumsstempel versehen (siehe oben). Die Post möchte vorbeugen, dass sich keiner über lange Lieferzeiten beschwert, wenn eine Sendung verspätet eingeliefert wurde.

Ich hoffe, es konnte gezeigt werden, dass Absenderfreistempel, auch wenn sie nicht "everybodies darling" werden, durchaus ihre Reize haben.

Literatur:

  • Homepage www.fg-freistempel.de

  • Walter Schießl, Absender (Firmen)-Freistempel: Philatelie 321, März 2004