| Aus einem Vortrag im Verein von Heinz Freisler,
Frankfurt am Main Der Beginn der
Luftpost und somit die Beförderung von Karten und Briefen mit
Luftschiffen und Flugzeugen begann am 6. Februar 1919 mit der
Luftpostverbindung von Berlin nach Weimar (so der offizielle
Termin).
Aber wie das so ist, kommen manchmal findige
Leute, in dem Fall eine Frau, auf die Idee, man könnte über ein
Zusatzporto und Sonderkarten, extra hergestellt zu diesem Anlass,
einer wohltätigen Organisation hilfreich unter die Arme greifen.
Den Gedanken hatte die Großherzogin Eleonore von
Hessen und bei Rhein. Sie war auch Patronin für die Großherzogliche
Zentrale für Mütter- und Säuglingsfürsorge in Hessen.
|

|
Großherzog Ernst-Ludwig,
Großherzogin Eleonore von Hessen und bei Rhein |
Die Reichspost behandelte die Wünsche der
Großherzogin wohlwollend und beteiligte sich zum ersten Mal an einem
Luftpostdienst. Befördert werden sollten die Karten mit dem Zeppelin
"Schwaben" und dem Flugzeug "Gelber Hund", so benannt nach seinem
gelben Äußeren.
Ich muss an dieser Stelle zugeben, dass mein
Interesse an diesen Flugpostmarken sehr gering war, weil zu teuer.
Aber erst einmal aufmerksam geworden, ist es ein ganz interessantes
Thema.
In Wirklichkeit sind es auch keine Briefmarken,
sondern Vignetten und Marken mit halbamtlichem Charakter.
|

|
Flugpostmarken I bis III
(halbamtlicher Luftpostzuschlag)
|
|

|
Flugpostmarken IV bis VI, Nr. IV
mit Aufdruck "Gelber Hund" |
Befördert werden sollten diese Belege auch nur
eine Woche lang, vom 9.6.-16.6. während der Postkartenwoche. Es
wurden allerdings zwei Wochen daraus, bis zum 23.6.1912.
Da die Reichspost keinen Gewinn aus der Aktion
ziehen wollte, sollten die Karten mit dem normalen Porto, das heißt
für das Inland mit 5 Pf und dem Ausland mit 10 Pf freigemacht
werden. Die Marken sollte in die rechte obere Ecke und die Vignetten
links oben geklebt werden. Kaufen konnte man die Vignetten sowie die
Postkarten bei den Hauptpostämtern der Städte Darmstadt, Frankfurt
am Main und Mainz. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sich die Reichspost
mit derartigen Dingen nicht abgegeben.
|

|

|

|
|
Flugpostmarken zu 10 Pfg, zu 20
Pfg, zu 30 Pfg auf Sonderkarten |
Die Abstempelung sollte mit dem Sonderstempel
"Flugpost am Rhein und am Main" sowie der Angabe von Ort und Datum
erfolgen. Abgestempelt werden sollte laut Reichspost nur die
offizielle Briefmarke aber nicht die Vignette. Allerdings wurden
auch Vignetten abgestempelt, die neben der Briefmarke klebten, und
sogar Vignetten alleine, worauf dann Nachporto erhoben wurde.
Zur Luftbeförderung wurden zuerst nur vom Patronat
der Führsorgezentrale ausgegebene Postkarten zugelassen, die in
verschiedenen Kartenfarben und Vordrucken hergestellt wurden. Wenige
Tage nach Beginn der Aktion wurden auf vielseitigen Wunsch auch
gewöhnliche Post- und Ansichtskarten zugelassen. Natürlich nur mit
einer oder mehreren aufgeklebten Vignetten.
|

|

|
2 offizielle / officielle
Postkarten |
Die Beförderung sollte folgendermaßen erfolgen:
Man konnte die Karten im gesamten Reichsgebiet in den Briefkasten
einwerfen. Die mit der Vignette beklebten Karten wurden dann
aussortiert, gebündelt und dann den zu diesem Zweck errichteten
Abfertigungsstellen zugeleitet. Von dort aus wurden die Postkarten,
die nun in Postsäcken verstaut waren, ausgetauscht und zur
Weiterbeförderung an den Empfänger dann dem Luftschiff "Schwaben"
oder dem Flugzeug "Gelber Hund" übergeben. Die eingetroffenen
Sendungen wurden dann auf dem normalen Postweg dem Empfänger
zugeleitet.
Die Tarife waren wie folgt:
- Karten ohne Ansicht ? 5 Pfg + 10 Pfg Vignette
- Karten mit Ansicht ? 5 Pf g+ 20 Pfg Vignette
- Nicht vom Patronat der Fürsorgezentrale
verausgabte Post oder Ansichtskarten mussten mit 5 Pfg + 30 Pfg
Vignette freigemacht werden
|

|

|

|
|
Stempel Darmstadt
|
Stempel Frankfurt
|
Stempel Mainz
|
|

|

|
|
|
Stempel Offenbach |
Stempel Worms |
|
Die mit dem Flugzeug beförderten Karten waren zur
besseren Unterscheidung orangefarben (12000 Stück). Weitere 2000
durchnummerierte Karten waren rot gefärbt. Diese werden in
Sammlerkreisen "Rote Hunde" genannt.
Zur Flugzeugbeförderung der orangefarbenen Karten
musste 1 Mark mit Überdruck "Gelber Hund" aufgeklebt werden.
Für die roten, nummerierten Karten mussten 3 Mark
der überdruckten Vignette geopfert werden. Es konnten auch
ersatzweise 10 Stück der Nr. III (30 Pfg) aufgeklebt werden.
|

|
Flugpostkarte zur Beförderung
durch Flugzeug "Gelber Hund"
|
|

|
Flugpostkarte mit Nummer "835"
und
|
|
 |
Aufdruckfehler "Huna" statt
"Hund" |
Das Flugzeug (Doppeldecker der Euler-Werke) unter
Führung von Leutnant von Hiddessen vom Leib-Dragoner-Regiment Nr 24
startete nur viermal.
Am 10.6.1912 von Frankfurt am Main nach Darmstadt,
am 13.6.1912 von Darmstadt über Worms nach Mainz,
am 17.6.1912 von Mainz nach Frankfurt am Main und schließlich
am 22.6.1912 von Frankfurt am Main nach Darmstadt und zurück.
Ein für den 23.6. angesetzter Flug fiel aus. Die
dafür angelieferten Karten gelangten mit dem Zeppelin "Schwaben" an
ihr Ziel. Also sind Karten mit dem Stempel vom 23.6. nicht mit dem
"Gelben Hund" befördert worden (Bewertung).
Insgesamt wurden über 460.000 Postkarten
aufgeliefert und befördert.
Die am 22. und 23. Juni ausgegebenen Marken mit
dem Aufdruck "E.EL.P." 10 Pfg und 20 Pfg, wurden zur Grundlage eines
Preisausschreibens. Es sollte die Bedeutung des Aufdrucks "E.EL.P."
erraten werden. Auch mussten die Antworten auf einer offiziellen
Postkarte mit der Anschrift "Flugpost Darmstadt" am 22. Juni oder
23. Juni eingesendet werden. Der Preis war ein Flug mit dem
Luftschiff im Wert von 250 Mark. Unter 600 eingelieferten Karten war
nur eine richtige Lösung. Sie lautete "Ex Est Luft Post". Fräulein
Lilli Eiermann aus Nürnberg war die Glückliche, konnte aber den
Preis nicht in Empfang nehmen, da das Luftschiff "Schwaben" kurz
nach Ende der Postkartenwoche am 28.6.1912 in Düsseldorf verbrannte. |