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 Chemie in biblischer Zeit                                      zurück
Der Stand des chemischen Wissens im Altertum erschließt sich auch aus einer Schrift, die immer noch weite Verbreitung genießt und im folgenden als Informationsquelle angezapft wird: die heilige Schrift, die christliche Bibel.

Die Menschen brannten Ziegel und dichteten Gebäude und Konstruktionen mit Erdpech, Bitumen oder Teer ab. Über den Turmbau von Babel weis die Bibel zu berichten: "Und sie sprachen untereinander: Wohlauf, lasst uns Ziegel streichen und brennen! - und nahmen Ziegel als Stein und Erdharz als Mörtel" (l. Mose 11,3). Über den Bau der Arche Noahs heißt es: "Mache dir einen Kasten von Tannenholz und mache Kammern darin und verpiche ihn mit Pech innen und außen" (l. Mose 6,14). Tannenholz ist harzreich und nach einem Pechimprägnierung der Holzplanken war die Arche gut gegen die Wasserfluten gerüstet. Dass ein Anstrich noch keine Stabilität verleiht und Kalk löslich ist, erfahren wir in Hesekiel 13,11: "so sprich zu den Tünchern, die mit Kalk tünchen "Die Wand wird einfallen!" Denn es wird ein Platzregen kommen und Hagel wie Steine fallen und ein Wirbelwind losbrechen"


 


 

Turmbau zu Babel

Bau der Arche Noahs

Von den Alchemisten wurde Mose als ein Urvater verehrt. Ausschlag gebend dürften Geschichten sein, in denen Mose als großer Magier wundersame Umwandlungen erzielte.

Gott gab Mose einen Stock in die Hand, der sich wahlweise in eine Schlange und wieder zurück verwandeln ließ: "Der HERR sprach: Wirf ihn (den Stab) auf die Erde. Und er warf ihn auf die Erde, da ward er zur Schlange und Mose floh vor ihr. Aber der HERR sprach: Strecke deine Hand aus und erhasche sie beim Schwanz. Da streckte er seine Hand aus und ergriff sie, und sie ward zum Stab in seiner Hand." (2.Mose 4, 3-4).

Das Kunststück mit der Schlange wurde allerdings auch von den ägyptischen Zauberern beherrscht. Man kann darüber spekulieren, ob Mose und seine Widersacher bereits das Phänomen der thermotropen Legierungen kannte, die durch die Wärme der Hand biegsam werden und bei Erkalten erstarren: "Ein jeder warf seinen Stab hin. Da wurden Schlangen daraus; aber Aarons (Bruder von Mose) Stab verschlang ihre Stäbe" (2. Mose 7,12).


Weitere Eigenschaftsänderungen bzw. Stoffumwandlungen durch Mose lesen wir in 2. Mose 4, 6-9: "Und der HERR sprach weiter zu ihm: Stecke deine Hand in den Bausch deines Gewandes. Und er steckte sie hinein. Und als er sie wieder herauszog, siehe, da war sie aussätzig wie Schnee. Und er sprach: Tu sie wieder in den Bausch deines Gewandes. Und er tat sie wieder hinein. Und als er sie herauszog, siehe, da war sie wieder wie sein anderes Fleisch ... so nimm Wasser aus dem Nil und gieß es auf das trockne Land; dann wird das Wasser, das du aus dem Strom genommen hast, Blut werden auf dem trockenen Land."

Auch in der Wasseraufbereitung hat sich Mose einen Namen gemacht. Nach drei Tagen Wanderung durch die Wüste Schur erreichten die Israeliten Mara. Das Wasser in Mara war jedoch ungenießbar, d.h. sehr bitter. Wie Mose das Problem löste steht in 2. Mose 15, 24-25: Da murrte das Volk gegen Mose und sprach; Was sollen wir trinken? Er schrie zu dem HERRN und der HERR zeigte ihm ein Holz, das warf er ins Wasser, da wurde es süß."

Eine ganze Reihe von Bibelzitaten verwendet die Kenntnisse der Metallurgie als Vergleich der Beziehung zwischen Gott und den Menschen. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel ist das Gleichnis vom Schmelzofen Die Metalle Kupfer, Zinn, Eisen, Blei und selbst das Silber werden in der Glut des Ofens oxidiert (verschlackt), d.h. wertlos:

"Du Menschenkind, das Haus Israel ist mir zu Schlacken geworden; sie alle sind Kupfer, Zinn, Eisen und Blei im Ofen; ja, zu Silberschlacken sind sie geworden. Darum spricht Gott der HERR: Weil ihr denn alle Schlacken geworden seid, siehe, so will ich euch alle in Jerusalem zusammenbringen.

Wie man Silber, Kupfer, Eisen, Blei und Zinn im Ofen zusammenbringt, dass man ein Feuer darunter anfacht und es zerschmelzen lässt, so will ich auch euch in meinem Zorn und Grimm zusammenbringen, hineintun und schmelzen. Ja, ich will euch sammeln, und das Feuer meines Zorns gegen euch anfachen, dass ihr darin zerschmelzen müsst. Wie das Silber im Ofen zerschmilzt, so sollt auch ihr darin zerschmelzen und sollt erfahren, dass ich, der HERR, meinen Grimm über euch ausgeschüttet habe" (Hesekiel 22,18-22).

Die Edelmetalle Silber und Gold können an Hand ihrer Schmelztemperatur unterschieden werden; der Schmelzpunkt von Silber beträgt 961°C, der Schmelzpunkt von Gold 1063°C: "Wie der Tiegel das Silber und der Ofen das Gold, so prüft der HERR die Herzen" (Sprüche 17, 3). Die Wärme des Ofens dient nicht allein der Prüfung sondern auch der Reinigung. Der Prozess der Wärmebehandlung wird auch als Läuterung bezeichnet. Die Hitze bewirkt, dass Silber "lauter" sprich "rein" wird: "Denn Gott Du hast uns geprüft und geläutert, wie das Silber geläutert wird" (Psalm 66,10), "Siehe, ich habe dich geläutert, aber nicht wie Silber, sondern ich habe dich geprüft im Glutofen des Elends" (Jesaja 48,10).


 


 


 

Jesaja

Hesekiel

Jeremia

Die Stabilität der Oxide unedler Metalle schildert das Gleichnis vom rostigen Topf: "Trage nur viel Holz her, bring Feuer zum Lodern, koche das Fleisch gar und gieß die Brühe aus, daß die Knochen anbrennen; stelle den Topf leer auf die Glut, damit er heiß wird und sein Erz glüht und seine Unreinheit schmilzt und sein Rost abgeht! Aber so sehr der Topf glüht, will doch der starke Rost von ihm im Feuer nicht abgehen" (Hesekiel 24,11).

Der Mensch versucht mehr aus sich zu machen als er darstellt und auch Warnungen vor Selbstsucht bleiben ohne Erfolg: "Was willst du dann tun, du Überwältigte? Wenn du dich schon mit Purpur kleiden und mit Kleinoden schmücken und dein Angesicht schminken würdest, so schmückest du doch vergeblich. Die dir jetzt den Hof machen, werden dich verachten, sie werden dir nach dem Leben trachten" (Jeremia 4,30).

Mit dem Farbstoff Purpur wurden die Gewänder von Königen gewirkt und um Jesus, den "König der Juden", lächerlich zu machen, geschah folgendes: "Da nahmen die Soldaten des Stadthalters Jesus mit sich in das Prätorium und sammelten die ganze Abteilung um ihn. Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und gaben ihm ein Rohr in die rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: Gegrüßet seist du König der Juden" (Matthäus 27,27-29). Sicherlich war der Mantel nur purpurfarben und nicht aus echtem Purpur gewirkt, für dessen Herstellung viele Tausend Purpurschnecken ihr Leben lassen mussten.

Während Mose Gottes Wort dem Volk auf Steintafeln überbrachte, nutzten spätere Generationen moderne Techniken:

"Baruch sprach zu ihnen: Jeremia hat mir alle diese Worte vorgesagt, und ich schrieb sie mit Tinte auf die Schriftrolle" (Jeremia 36,18).

Kostbar und heilig waren die Rezepte für Salböl und Räucherwerk, die nur zu religiösen Zwecken verwendet werden durften: "Nimm dir die besten Spezereien: die edelste Myrrhe, fünfhundert Lot (etwa 6 kg), und Zimt die Hälfte davon, zweihundertfünfzig, und Kalmus, auch zweihundertfünfzig Lot, und Kassia, fünfhundert nach dem Gewicht des Heiligtums und eine Kanne Olivenöl und mache daraus ein heiliges Salböl nach der Kunst des Salbenbereiters" (2. Mose 30,23-25). "Nimm die Spezerei: Balsam, Stakte, Galbanum und reinen Weihrauch, vom einen soviel wie vom andern, und mache Räucherwerk daraus, gemengt nach der Kunst des Salbenbereiters, gesalzen, rein, zum heiligen Gebrauch. Und du sollst es zu Pulver stoßen ..." (2. Mose 30,34-36).

Mit profanerem Salböl verwöhnt wurden Lebende und Tote. "Als nun Jesus in Betanien war im Hause Simeons des Aussätzigen, trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas mit kostbarem Salböl und goß es auf sein Haupt, als er zu Tisch saß" (Matthäus 26,6-7) "Und als der Sabbat vergangen war, kaufte Maria von Magdala und Maria die Mutter des Jakobus und Salome wohlriechende Öle, um hinzugehen und ihn (den Leichnam Jesus) zu salben" (Markus 16,1).


 


 

Jesus mit Purpurmantel

Salbung in Betanien

Seife und Lauge waren als Mittel zur Körperpflege in der Antike bekannt, wenn damit auch keine inwendige Reinigung zu erzielen war. "Und wenn du dich auch mit Lauge wüschest und nähmest viel Seife dazu, so bleibt doch der Schmutz deiner Schuld vor mir, spricht Gott der HERR" Jeremia 2,22). Seife wurde durch Erhitzen von Fett mit Kalk gewonnen, als Lauge dienten Lösungen von Soda oder Pottasche.

Als Säure kannte man Essig. Die Entstehung des Essigs durch Oxidation von Wein wird zwar nicht ausdrücklich beschrieben, darf aber auf Grund der Kenntnis der Stoffe Wein und Essig als bekannt vorausgesetzt werden.

Auch eine Neutralisationsreaktion wird in der heiligen Schrift beschrieben: "Wer einem missmutigen Herzen Lieder singt, das ist, wie wenn einer das Kleid ablegt an einem kalten Tag, und wie Essig auf Lauge" (Sprüche 25,20).

Ein biochemisch hergestelltes Produkt wird oftmals in der Bibel erwähnt, der Wein. "Denn der HERR hat eine Becher in der Hand, mit starkem Wein voll eingeschenkt. Er schenkt daraus ein, und die Gottlosen auf Erden müssen alle trinken und sogar die Hefe schlürfen" (Psalm 75,9). Die Tatsache, dass bei der Weingärung Gase entstehen, kommt in einem Vergleich Hiobs zum Ausdruck, der sagt: "Siehe, mein Inneres ist wie der Most, den man nicht herauslässt und der die neuen Schläuche zerreißt. Ich muss reden, dass ich mir Luft mache, ich muss die Lippen auftun und antworten" (Hiob 32,19-20).

Die Bedeutung des Weines als Nahrungs- und Genußmittel beschreibt die Bibel oftmals, aber sie schildert auch bildhaft die Rauschwirkung bei übermäßigem Genuß: "Sieh den Wein nicht an, wie er so rot ist und im Glase so schön steht: er geht glatt ein, aber danach beißt er wie eine Schlange und sticht wie eine Otter. Da werden deine Augen seltsame Dinge sehen, und dein Herz wird Verkehrtes reden, und du wirst sein, wie einer, der auf hoher See sich schlafen legt, und wie einer, der oben im Mastkorb liegt" (Sprüche 23, 31-34).

Aber auch Medikament und Stärkungsmittel wird Wein empfohlen, "Trinke nicht mehr nur Wasser, sondern nimm ein wenig Wein dazu um des Magens willen und weil du oft krank bist" (1.Timotheus 5,23). Als Desinfektionsmittel gebraucht ihn der Samariter bei der Behandlung eines Überfallenen: "und er ging zu ihm, goß Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn" (Lukas 10,34). Eine Umwandlung, die eine chemische Erklärung übersteigt, ist die Gewinnung von Wein aus Wasser, so geschehen auf der Hochzeit zu Kana (Johannes 2 1-12).


 


 

Barmherzige Samariter

Die Hochzeit zu Kana

Dr. Michael Hampel, Frankfurt-Ginnheim