Brief an die Firma Degesch, Herstellerin von Zyklon B

Gerhard Simon

Der "Gebühr bezahlt"-Beleg von Köln-Bayenthal vom 15.7.46 nach Frankfurt / Main ist nur in Bezug auf seine Anschrift von Interesse.



Die "Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung m.b.H. (Degesch)" hat ihre Anfänge um ca. 1830 und sich von Anfang an mit der Herstellung von Schädlingsbekämpfungsmitteln beschäftigt und besteht noch heute. Der Kampf gegen Fleckfieber, übertragen durch Kleiderläuse, führte während des 1. Weltkriegs zu Bemühungen, spezielle Schädlingsbekämpfungsmittel zu entwickeln, die einfach in der Anwendung und schonend für die befallenen Materialien waren. Hier bot sich Blausäure an, ein Vorprodukt von Zyklon B.

Die Degesch war schon frühzeitig die alleinige Vertriebsfirma des Blausäureproduktes Zyklon B. Hersteller im zweiten Weltkrieg waren Firmen in Dessau und in Kolin (CSR). Zyklon B wurde vor allem zur eigentlichen Schädlingsbekämpfung für Unterkünfte, Kleidungsstücke usw. eingesetzt. Zum damaligen Zeitpunkt war nicht die Degesch, sondern zwei Firmen mit dem Vertrieb beauftragt, die SS wurde von der Firma Testa, Hamburg, beliefert. Nur 1 % der Gesamtproduktion reichte aus, ca. eine Million Menschen zu ermorden.

Zwei Leiter der Testa wurden nach Kriegsende von der britischen Besatzungsmacht hingerichtet. Die Rollen von Degussa und Degesch sind in diesem Zusammenhang bis heute umstritten, die Degussa bestimmte die Geschäftsleitung der Degesch und diese hatte Anteile an der Firma Testa.