Grenzspenden-Aktion Oberschlesien

Gerhard Simon

Die im Versailler Friedensvertrag verfügten Gebietsabtretungen betrafen auch das Gebiet Oberschlesiens. Ein Teil Oberschlesiens wurde sofort zugunsten Polens abgetreten, für den größeren Teil wurde am 20.3.1921 eine Volksabstimmung festgesetzt, in der die Einwohner aufgefordert wurden, auf dem Wege der Abstimmung kundzutun, ob sie mit Deutschland oder mit Polen vereinigt zu werden wünschen.


Dies führte zur Gründung der "Grenzspenden-Aktion Oberschlesien". Durch Straßensammlungen und eine Briefspendenaktion wurde um eine Geldspende zur Deckung der enormen Kosten zur Unterstützung der Abstimmungsberechtigten gebeten. Allein 220000 geflüchtete deutsche Staatsangehörige mussten in die Abstimmungsgebiete transportiert, dort verpflegt und untergebracht werden; ferner musste der Rücktransport organisiert werden.

Der Spendenaufruf wurde in einem Briefumschlag mit 5 mehrfarbigen Ansichtspostkarten mit Bildern der Abstimmungsgebiete an alle namhaften Organisationen, Firmen und Personen im ganzen Deutschen Reich versandt mit der Bitte um eine Überweisung von 5 Mark an das angegebene Konto.

Als sich der Stichtag der Abstimmung näherte und einige an ihren "vaterländischen Opferwillen" erinnert werden mussten, verschickte das Direktorium der Grenzspende ein zweites Schreiben mit einem großen roten "Warum?" an die Säumigen, ihren bisher ausgebliebenen Beitrag zu entrichten.

In der Abstimmung entschieden sich 60% der Wähler für den Verbleib im Deutschen Reich. Das für die polnische Nationalisten unter Anführung von W. Korfanty enttäuschende Abstimmungsergebnis führte zu gewaltsamen Aufständen.